Stell dir vor, du bestellst im Restaurant ein Menü, und bei jedem fünften Gang steht noch der Auszubildende in der Küche. Genau dieses Gefühl löst eine Zahl aus der neuen OECD-Studie „Bildung auf einen Blick 2026" aus: 18,6 Prozent der Lehrkräfte in Deutschland gelten als nicht voll qualifiziert. Im OECD-Schnitt sind es nur 9,1 Prozent.
Was die Studie wirklich sagt
Bevor die Schlagzeilen-Panik ausbricht, lohnt ein zweiter Blick. „Nicht voll qualifiziert" heißt nicht „unfähig", sondern: Es fehlt noch ein Teil der vorgeschriebenen Ausbildung. Die OECD nennt zwei mögliche Gründe. Erstens dauert der Weg zur vollen Lehrbefähigung in Deutschland lang: ein Masterabschluss plus durchschnittlich 18 Monate Referendariat. Zweitens springen Menschen auf alternativen Wegen ein, um Lücken zu stopfen, zum Beispiel Aushilfen, die neben dem Studium unterrichten. Auch Fachlehrkräfte an berufsbildenden Schulen zählen in der Statistik als nicht voll qualifiziert, obwohl sie es nach deutschem Recht sind. Ohne sie läge der Anteil etwas niedriger.
Spürbar ist der Mangel trotzdem. Laut einer Befragung von Schulleitungen im Rahmen von PISA 2022 besuchen 55 Prozent der 15-jährigen Schüler Schulen, deren Leitung sagt, dass fehlende Lehrkräfte das Lernen beeinträchtigen. Das ist der zweithöchste Wert im OECD-Raum, der Durchschnitt liegt bei 27 Prozent. OECD-Bildungsforscher Andreas Schleicher räumte laut Tagesschau zudem ein, dass für Deutschland vergleichsweise wenige Daten vorliegen .
Und das Gehalt? Deutsche Lehrergehälter zählen weiterhin zu den höchsten der OECD. Inflationsbereinigt sanken sie im Sekundarbereich I (bei 15 Jahren Berufserfahrung) zwischen 2015 und 2025 aber um 1 Prozent, während sie im OECD-Schnitt um 6 Prozent stiegen. Dazu passt ein weiterer Befund: Zwar sind 85 Prozent der Lehrkräfte zufrieden im Beruf, aber nur 22 Prozent glauben, dass die Gesellschaft ihre Arbeit wertschätzt. Applaus gibt es offenbar eher auf dem Balkon als im Lehrerzimmer.
Der Blick über den Tellerrand
Deutschland ist mit dem Problem nicht allein. Lehrkräfte fehlen fast überall in der OECD. Zusammen mit Chile, Dänemark und Estland gehört Deutschland zu den vier Ländern mit mehr als 18 Prozent nicht voll qualifizierter Lehrkräfte. Überraschend: Unbesetzte Stellen spielen eine kleinere Rolle als gedacht. In keinem Land machen sie über beide Stufen mehr als 4 Prozent aller Stellen aus. Das Problem ist also weniger „leere Stühle" als „Stühle, auf denen noch jemand in Ausbildung sitzt".
Bild KI generiert
Zusätzlich ist der Mangel ungleich verteilt. Besonders knapp sind Lehrkräfte für Mathematik und Naturwissenschaften sowie an Schulen in ländlichen und benachteiligten Regionen. Die Altersstruktur verschärft die Lage: Im Sekundarbereich ist jede vierte Lehrkraft 55 Jahre oder älter. Die OECD empfiehlt deshalb mehr Quereinstiege und eine gezieltere Verteilung vorhandener Kapazitäten. Auch das ist ein Hoffnungsschimmer: Die Zahl der 5- bis 14-Jährigen sinkt bis 2033 im Schnitt um 9 Prozent, was langfristig Spielraum schaffen könnte.
Dabei steht Deutschland nicht nur schlecht da. Bei MINT-Abschlüssen führt es die OECD-Rangliste an: 34 Prozent der Hochqualifizierten mit deutscher Hochschulreife schließen in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik ab, der OECD-Schnitt liegt bei 23 Prozent . Das Land bildet also hervorragende Köpfe aus, nur eben nicht schnell genug für die Klassenzimmer.
Was Eltern daraus mitnehmen
Eine Veränderung der Situation braucht Jahre. Familien können nicht so lange warten. Die gute Nachricht: Kinder, die ihr Lernen selbst steuern können, sind weniger abhängig davon, ob in der dritten Stunde gerade Vertretung ist.
Genau hier setzt Marskinder an. In Woche 11 „Wochenplanung" und Woche 15 „Lernstrategien" üben Kinder, ihre Lernzeit selbst zu organisieren und effektiv zu nutzen. Eltern brauchen dafür nur wenige Minuten pro Woche. Das ersetzt keine gute Lehrkraft, macht aber jedes Kind robuster, wenn der Stundenplan mal wackelt.
Fazit: Der Lehrermangel ist real, aber komplexer als die Schlagzeile. Wer ihn versteht, kann gelassener reagieren und gezielt dort unterstützen, wo es zu Hause am meisten bringt.
Herzliche Grüße,
Euer Marskinder-Team